Henning, 21 Jahre:

Foto: Carsten Witte

“Ich bin Henning, 21 Jahre alt, aus Greifswald, habe mein Studium der Politikwissenschaft abgebrochen, ich trete jetzt in den Hungerstreik… weil ich eine klare Vision habe: Wir müssen endlich ehrlich reden.

Denn wir sind richtig am Arsch – die Co2-Werte steigen weiter! Sie steigen und steigen. Ihnen ist doch der grün angemalte Wahlkampf egal. Die nächste Regierung muss die Emissionen drastisch senken, um eine Chance zu haben. Und die Pläne der Parteien reichen alle nicht aus, das ist einfache Mathematik. Also Kanzlerkandidat*innen Armin Laschet, Olaf Scholz, Annalena Baerbock… Wie lange müssen wir hungerstreiken, bis wir endlich ehrlich reden?

Die einzige Hoffnung, die bleibt, um das Leben zu schützen, sind Menschen wie du und ich, die auf den Notstand zeigen.

Wenn du Dich also je gefragt hast: “Was hätte ich während des Dritten Reichs gemacht oder während der Amerikanischen Schwarzen Bürgerrechtsbewegung oder zu irgendeinem anderen historischen Zeitpunkt?” Es ist im Wesentlichen das, was Du jetzt gerade machst.

Wenn die Regierung so dermaßen versagt, unsere Zukunft zu schützen, bleibt der jungen Generation nichts als friedlicher Widerstand. Der Hungerstreik ist ein riskantes Unterfangen, aber nichts zu wagen wäre weitaus riskanter. Wir hungern für das Leben.”

Mephisto, 18 Jahre:

Foto: Carsten Witte

“Als ich das erste mal davon gehört habe, dass Menschen dieses Jahr in den
Hungerstreik gehen, dachte ich: Krass…

Aber es ist einfach nicht okay, was da draußen passiert und wie damit umgegangen wird. Überall auf der Welt sterben jetzt schon Menschen wegen der Klimakrise. Seit Jahrzehnten wurden wir gewarnt. Als das Pariser Klimaabkommen aufgesetzt wurde, war klar dass wir auf eine Katastrophe zusteuern. Die Regierung hat es einfach ignoriert, obwohl sie es hätten aufhalten können. Stattdessen hat sie geblendet von Geld und Macht weggeschaut und sie tut es immer noch. Genau so, wie zu viele Menschen wegschauen und verdrängen wollen, was direkt vor unseren Augen passiert.

Wir sind die letzte Generation, die die Katastrophe des unumkehrbaren Klimazusammenbruchs noch aufhalten kann und das macht mir bei unserer Regierung und ihrem jetzigen Verhalten verdammt viel Angst. Ich habe verschiedene Formen des Aktivismus versucht, von Mahnwachen über Demos zu Zivilem Ungehorsam und Blockaden. Ich bin an die Regierungsgebäude gegangen und habe versucht mit Gruppen von Menschen unser Anliegen in die Öffentlichkeit zu bringen, versucht auf unseren Notstand aufmerksam zu machen und Druck auszuüben. Worauf ich danach primär gestoßen bin, waren Polizeigewalt, Repressionen und Politiker:innen die uns weiter ignoriert haben. Ich habe mir sehr lange den Kopf darüber zerbrochen, was denn noch alles passieren muss. Was passieren muss bis endlich einmal gehandelt wird, bevor es schon zu spät ist. Was ich noch alles tun muss, wie weit ich an meine Grenzen gehen muss.

Ich bin bereit sehr vieles dafür zu opfern, denn ich möchte später nicht sagen, dass ich weggeguckt habe und von nichts wusste. Denn ich weiß es. Genau deswegen sehe ich es als meine Verpflichtung alles zu geben – und wenn das bedeutet meine eigene Gesundheit aufs Spiel setzen zu müssen, dann tue ich auch das.

Deswegen habe ich mich dazu entschieden ab dem 30. August mit einer Gruppe von entschlossenen Menschen, die genauso denken wie ich, in den unbefristeten Hungerstreik zu gehen.”

Rumen, 20 Jahre

Foto: Carsten Witte

“Ich frage mich, was kann ich als einzelner Mensch tun, um die fossilen Verbindungen mit Macht und Geld zwischen der wirtschaftlichen und politischen Elite zu brechen. Vor nun gut drei Jahren ist mir aufgefallen: Wir als Gesellschaft sind verantwortlich für unsere Taten. Klar kann ich wählen gehen, aber das reicht verdammt nochmal nicht aus. Deshalb habe ich aktiv mit friedlichem Widerstand versucht, meiner Stimme Gehör zu verschaffen. Drei Jahre wurden wir an der Nase herumgeführt. Merkt ihr eigentlich wie wütend ich bin?

Was hab ich schon zu verlieren? Angesichts dessen was auf dem Spiel steht. Wir sind die letzte Generation, welche über das Ausmaß der Klimakrise entscheidend mitbestimmt. Mit unserem Hungerstreik setzen wir die Regierung unter Druck. Ich habe keine Wahl. Wir sind der Aufstand der letzten Generation! Ich glaube wir alle müssen einen Schritt weitergehen, aus unserer Komfortzone herauskommen. Ich habe Anfang des Jahres meine Ausbildung zum Bäcker abgebrochen. In drei Tagen gehe ich entschlossen in den Hungerstreik. Es gibt kein Zurück zur Normalität!”

Simon, 22 Jahre:

Foto: Carsten Witte

“Gedeckt durch Lobby-Basierte Politik haben die Konzerne in unendlichem Wachstumswahn die Erde und die Menschen ausgebeutet. So kann es nicht mehr weitergehen. Wenn wir den Kapitalismus nicht überwinden, wird er die Menschheit auslöschen!

Schon jetzt hungern und sterben Millionen Menschen aufgrund der Klimakrise. Solidarisch mit allen, die schon jetzt die diese Konsequenzen ertragen müssen, trete ich ab dem 30. August in den unbefristeten Hungerstreik. Schon Jahre lang habe ich jetzt mein bestes gegeben, Demonstrationen und ziviler Ungehorsam, wir wurden verhöhnt und ignoriert. Wir können nicht mehr ignoriert werden, denn unser Leben steht auf dem Spiel. Wir müssen jetzt handeln.”

Lina, 18 Jahre:

Foto: Carsten Witte

“Ich gehe in den unbefristeten Hungerstreik, weil wir schon viel zu lange ignoriert worden sind und wir genau jetzt eine Veränderung brauchen. Eine Veränderung im System. Ich gehe in den unbefristeten Hungerstreik aus dem selben Grund warum ich Straßen blockiere und politische Gebäude besetze: ich will die Politiker*innen direkt adressieren. Die Gesellschaft muss sehen, dass wir gerade mit voller Wucht auf den Klimakollaps zusteuern.

Seid vielen Jahren stehe ich mit meinem politischen Protest auf der Straße und doch hat sich noch nichts verändert. Ich hab auf kleinen Aktionen angefangen und hab mich seid dem immer weiter radikalisiert. Und ich denke das genau das notwendig war. Schon jetzt kostet die Klimakrise das Leben von unzähligen Menschen. So wird es nicht weiter gehen!

Mir bleibt nichts anderes übrig als zu hoffen und meinen Teil zur Veränderung beizutragen. Zu hoffen das wir diese Bedrohlichkeit durch weitere Proteste abwenden oder vermindern können. Ökosysteme kollabieren, Lebewesen sterben aus, Umweltkatastrophen und Extremwetter nehmen zu. Ich gehe an meine Grenzen, auch meine gesundheitlichen. Ich sitze vorm Bundestag statt im Klassenzimmer. Ich trete in den unbefristeten Hungerstreik. Die Gesetze schützen ein ungerechtes System, welches den Klimakollaps vorantreibt statt ihn zu stoppen. Wir sind direkt, laut, unbequem und kompromisslos. Wir lassen uns nicht weiter ignorieren.”