Die Eltern der Hungernden sind wütend – nicht auf ihre Kinder

Aus allen Familien der hungerstreikenden jungen Menschen kommt Unterstützung – Eltern sind
besorgt, verzweifelt, wütend, kämpferisch.

Auf dem Podium unserer Pressekonferenz dabei ist Eckart Pscheidl-Jeschke aus Lüneburg, der Vater des 21-jährigen Henning Jeschke. Er schildert persönlich das Anliegen, das alle Eltern aller Kinder teilen dürften:
“Es ging uns immer darum, dass unser Sohn gut heranwächst. Jetzt habe ich sehr große Angst um ihn. Aber ich teile die Einschätzung und die Entscheidung meines Sohnes zu diesem Hungerstreik.”
Er bittet die Kanzlerkandidat*innen:
“Das Ende des Hungerstreiks hängt an zwei Forderungen, die leicht zu erfüllen sind, es geht um ein Gespräch, bitte führen sie dieses Gespräch. Die zweite Forderung ist die Einführung eines Bürger*innenrats, eine politisch sinnvolle Forderung. Ich appelliere an Sie: Beenden Sie den Hungerstreik.”

Die Mutter des 22-jährigen Simon Helmstedt lässt einen sehr persönlichen Brief auf unserer heutigen Pressekonferenz verlesen. Darin schreibt sie:
“Meinen Sohn weinen zu sehen und seine Verzweiflung und Wut zu erleben, ist kaum auszuhalten. … Der Hungerstreik ist für meine Vorstellungskraft schon das letzte Mittel, was man als Kämpfender wählen kann. Und wenn sie scheitern mit diesem Streik, was kommt dann?” Sie schließt mit einem Appell an die Kanzlerkandidat*innen: “Bitte gehen Sie auf die Streikenden zu und hören Sie sich die Gründe ihres Hungerstreiks an – und setzen sie sich ihrer Verzweiflung aus.”

Die Pressekonferenz schließt mit dem verlesenen Aufruf der Mutter von Jacob Heinze, einem der Hungernden. Sie richtet sich auch an ihre Generation, die der über 55-Jährigen:
”Geweckt werden, vom eigenen Sohn, mit dem Ruf: Wir sind in Lebensgefahr!, ist nicht nur erschreckend und Angst einflößend. Es beschämt mich auch. Ich empfinde NICHT Scham, weil die Hungerstreikenden etwas tun, was zu radikal erscheint, um Erfolg zu haben, sondern es beschämt mich, dass ich nicht viel eher versucht habe, das Leben meines Sohnes, überhaupt das Leben auf dieser Erde zu schützen.”

Sie weist darauf hin, dass die Kinder die Elterngeneration trotzdem nicht anklagen, sondern stattdessen auffordern, nicht nur zu reden oder “nickend weisen Kritiker*innen zuzuhören, vielleicht gar vor Schreck zu erstarren und lieber die nächste Ablenkung zu genießen, sondern zu handeln”.

Und auch sie appelliert an die Politik: “In Berlin sitzen sechs junge Leute und hungern. Werte Anwärter*innen auf das Kanzleramt, diese jungen Menschen haben eine Botschaft für Sie!”

Der Hungerstreik der letzten Generation geht weiter.

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Ein Kommentar

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